Hafer füttern - was dabei zu beachten ist!
Nicht immer ist Hafer das was er verspricht: Ein vollkerniges und gesundes Futter für Pferde
Von Gräsern und Blättern hin zu Getreide
Die letzten Wildpferde in freier Natur leben von faserreicher Nahrung wie Gräsern, Kräuter, Blättern und Rinde. Diese Nahrung ist faserreich und hat keine besonders hohe Nährstoffdichte. Getreidefelder finden sie dabei üblicherweise nicht zum Fressen. Deshalb müssen Wildpferde bis zu 16 Stunden täglich grasen.
Erst mit der Domestikation der Pferde hat sich die Nahrung verändert. Als Arbeitstiere hatten die Pferde nicht mehr so lange Zeit zur Nahrungsaufnahme, deshalb musste die Ration mit konzentrierter Nahrung aufgewertet werden. Hier hat sich Getreide als Ergänzugsfutter für die Futterration herauskristallisiert. Es hat eine hohe Nährstoffdichte, kann gut konserviert werden und konnte auch im militärischen Einsatz verhältnismäßig leicht mit geführt werden.
Verschiedene Getreidesorten
Im Laufe der Zeit erkannte man, dass die unterschiedlichen Getreidesorten nicht gleich gut für das Pferd geeignet sind. Dinkel, Weizen und Roggen dürfen nur in sehr geringen Mengen zum Einsatz kommen. Sie enthalten Kleber, einen Eiweißbaustein der für die Backfähigkeit des Mehles notwendig ist. Im Magen- Darmtrakt der Pferde verkleistert der Kleber und kann zu schlimmen Koliken führen. Gerste und Mais zeichnen sich durch eine sehr hohe Nährstoffdichte aus, aber sie sind für das Pferd sehr schwer zu verdauen. Sie besitzen eine sehr fest verbaute Stärkestruktur, mit der das Pferd nicht gut klar kommt.
Nur rund 25 - 30 % der Gerste- oder Maisstärke können vom Pferd im Dünndarm verdaut werden. Der Rest wandert weiter in den Blind- und Grimmdarm und kann hier zu Störungen bis hin zur Hufrehe führen. Dabei spielt es fast keine Rolle, ob die Pferde ganze, gequetschte oder fein vermahlene Körner (mechanisch bearbeitet) zum Fressen erhalten. Die Dünndarmverdaulichkeit verbessert sich nur unwesentlich. Erst wenn diese Getreidearten aufgeschlossen werden, also heißgewalzt, gepoppt oder extrudiert verbessert sich die Stärkeverdaulichkeit für das Pferd und auch der Kleber in Weizen, Dinkel oder Roggen ist erst dann unschädlich für das Tier.
Hafer - Futter mit Schönheitsfehlern
Hafer besitzt eine natürlich hohe Verdaulichkeit im Pferdedünndarm von ca. 80 - 90 %. Dazu ist er nicht so stärkereich wie die anderen Getreidearten und kommt damit der knappen Enzymausstattung des Pferdes bei der Stärkeverdauung entgegen. Auch der hohe Spelzenanteil ist eher günstig, er regt die Kautätigkeit und Speichelbildung an.
Vorsicht: Keime im verregneten Hafer!
Allerdings können sich zwischen der losen Hüllspelze des Hafers und dem Haferkern Keime sehr gut entwickeln. Das funktioniert besonders gut in Jahren, in denen es vor oder während der Gerteideernte öfter in die geöffnete Haferrispe am Halm regnet. In normalen Jahren spricht man von ca. 30 % der Hafererntemenge, die nicht für die Verfütterung geeignet ist. Gelbkeime, Hefen Schwärzepilze und deren Stoffwechelprodukte verbieten die Verfütterung. In ungünstigen Jahren wie im Erntejahr 2010 muss mit einem höheren Anteil an verdorbener Ware gerechnet werden.
Einen ersten Hinweis gibt der Kernanteil des Hafers, er kann gut selbst bestimmt werden. Als Faustregel gilt, je höher das Litergewicht des Hafers, desto höher sein Kernanteil (und um so geringer der Spelzenanteil). Dazu misst man einen Liter Hafer in einem Messbecher ab und wiegt ihn. Es sollten 500g oder mehr dabei herauskommen. Leider kommen auch immer wieder Partien mit 400 g auf den Markt, ihr Nährwert ist nicht besonders hoch. Mit die höchsten Litergewichte erzielen Kanadische, Australische oder Skandinavische Haferpartien. Sie bringen oft über
600 g je Liter auf die Waage. Allerdings muss diese Qualität und der Transport auch entsprechend honoriert werden.
Weitere Hinweise bietet eine sog. sensorische Prüfung, also fühlen, sehen und riechen. Hafer soll eine schöne weißgelbe bis goldgelbe gleichmäßige Farbe besitzen, Schwarzhafer ist - je nach Sorte - von dunklem Ocker bis kaffebraun gefärbt. Er soll aromatisch nach Stroh riechen und eine glatte, glänzende Spelze (das kann man fühlen) haben. Zeigt er dunkle Spitzen, riecht er muffig oder schimmlig bis faulig und ist die Spelze matt und grau, ist Vorsicht geboten.
Aufschluss bietet hier eine mikrobiologische Untersuchung eines Labores wie z. B. der Bioanalytik in Weihenstephan (www.wzw-bioanalytik.de). Hier kann eine Mischprobe von ca. 500 g untersucht werden und eine Fütterungsempfehlung entsprechend dem Keimgehalt ausgesprochen werden. Das kostet ca. d 60,-
und bringt Sicherheit. Für die Gesundheitsvorsorge des Pferdes ist dieses Geld gut angelegt. Denn die negativen Folgen aus der Verfütterung verdorbener Ware sind oft nicht abzusehen.