KLAUS WILLs Pferdefutter-Kolume: Gesundheit und Immunsystem - regelmäßige Darmentgiftung des Pferdes
Die Zeiten sind vorbei, als sich die Pferde ihre Nahrung noch selber suchen konnten. Sie müssen jetzt fressen, was wir Menschen ihnen anbieten. Hier passieren Fehler. Das Pferd ist ein Raufutterfresser. Und die Nährstoffe, die nicht über das Grundfutter wie Heu, Stroh oder Gras aufgenommen werden, müssen als Ergänzungsfutter zugeführt werden. Dazu zählt Hafer, Müsli, Pferdekorn und Mineralfutter.
Verdauung beginnt beim Kauen
Beim Ablauf der Verdauung beginnt der Prozess der Nahrungszerlegung im Maul des Pferdes. Das Futter wird intensiv gekaut und eingespeichelt. Dann gelangt es in den Magen. Die Magensäure desinfiziert das Futter und tötet Keime ab, damit später im Verdauungstrakt keine Fehlgärungen auftreten. Bei verkeimtem Futter, wie schimmeligem Heu oder mit Pilzen belastetem Hafer, werden die Keime weitgehend eliminiert. Die giftigen Stoffwechselprodukte der Pilze wie Mykotoxine oder Aflatoxine bleiben fast unbeschadet davon und belasten das Pferd trotzdem.
Weiter geht´s im Darm: Vom Zwölffingerdarm bis zum Mastdarm
Der vordere Darmbereich ist der Dünndarm. Dieser gliedert sich in den Zwölffingerdarm, den Leerdarm und den Hüftdarm. Im Zwölffingerdarm werden Gallensekret und Bauchspeicheldrüsensekret in den Darm zugeführt. Diese Sekrete enthalten Enzyme, die die Nahrung chemisch aufspalten. Zucker, Stärke, Öle und Eiweiße werden zerlegt und über die Darmwand an den Körper abgegeben.
Es werden also die konzentrierten Futtermittel wie Hafer, Müsli oder Öl zuerst verdaut. Zucker kommt im Sommer überwiegend aus dem Gras, ansonsten aus der Melasse im Kraftfutter. Das Pferd hat nur wenige Enzyme zur Verdauung von Stärke. Deshalb dürfen nur kleinere Mengen Kraftfutter auf einmal gegeben werden. Besondere Vorsicht ist mit Gerste und Mais angebracht. Sie sind nur schlecht im Dünndarm verdaulich und können später im Dickdarm schwere Störungen verursachen.
Der Hüftdarm, das von staken Ringmuskeln umfasste Endstück des Dünndarms, presst den Futterbrei unter Druck in den Dickdarm. Der Dickdarm des Pferdes besteht aus dem Blinddarm, dem Grimmdarm und endet mit dem Mastdarm. Blind- und Grimmdarm des Pferdes werden als die Gärkammern des Pferdes bezeichnet. Sie sind groß und voluminös. In ihnen werden die Faserstoffe die in Heu, Gras oder Stroh enthalten sind zersetzt und verdaut.
Energie kommt aus dem Darm
Zur Verdauung der Faserstoffe wird eine intakte Darmflora aus Bakterien, Pilzen und Einzellern benötigt. Sie zersetzen die Zellwände der Pflanzenfasern. Verdaut werden Zellulose, Hemizellulose und Pektin. Lignin, das vor allem in Stroh aber auch in altem, verholztem Gras vorkommt, kann dagegen vom Pferd nur schlecht verdaut werden.
Die unzähligen Darmbakterien gewinnen bei diesem Prozess flüchtige Fettsäuren, nämlich Essigsäure, Propionsäure und Buttersäure. Diese dienen dem Pferd zur Energiegewinnung. Das Pferd sollte den größten Teil der Energie aus Faserstoffen beziehen. Dazu produzieren die Darmbakterien wasserlösliche Vitamine wie B-Vitamine, Folsäure, Biotin und andere. Anschließend wird dem Futterbrei die Flüssigkeit und Mineralien entzogen. Im Mastdarm werden die Pferdeäpfel aus den unverdauten Resten geformt und ausgeschieden.
Nicht immer läuft alles glatt
Störungen der Darmflora sind häufig und haben mehrere Ursachen. Häufig sind zu große Mengen konzentrierter Futtermittel wie Müsli oder Getreide in der Ration. Die Keimbelastung in Heu oder Hafer sind oft hoch und Medikamente wie Antibiotika oder Wurmkuren können zu gravierenden Veränderungen führen. Oft wird es im Darm zu sauer.
Folgeerscheinung einer entgleisten Darmflora
Die ausgewogene Darmflora entgleist, unerwünschte Keime wie z.B. Coli-Bakterien nehmen zu. Die Darmschleimhaut und die Darmwand werden geschädigt. Die Darmzotten auf der Darmoberfläche verkleben oder verkümmern, die Verdauungsleistung sinkt. Es lagern sich Toxine an der Darmwand an oder wandern in den Körper und belasten die Entgiftungsorganen Leber, Niere und Haut.
Der Fachbegriff für eine gestörte Darmflora lautet Dysbiose. Sauer oder faulig riechende Pferdeäpfel, Durchfall oder Kotwasser sind zu beobachten. Hautprobleme bis hin zum Sommerekzem können hier ihre Ursache haben. Als extreme Folge kann eine Hufrehe aus einer entgleisten Darmflora entstehen. Dabei sterben Darmbakterien nach einer starken Übersäuerung im Darm massenweise ab, gehen in Fäulnis über und bilden Toxine (Leichengift).
Störungen im Darm belasten das Immunsystem
Das am Darm anliegende Lymphsystem wird mit Entgiftungsarbeit überlastet. Die körpereigene Vitamin B-Synthese sinkt ab und die Leistungsfähigkeit des Tieres fällt. Infekte oder Allergien können verstärkt auftreten. Aber auch Darmparasiten (Würmer) belasten den Darm. Einmal durch die Verletzung der Darmwand an den Stellen, an denen sie sich einnisten. Dann aber auch durch ihre schädlichen Ausscheidungen.
Wurmkur oder nicht - das ist die Frage
Chemische Wurmkuren bedeuten oft, den Teufel mit Belzebub austreiben zu wollen. Einerseits soll das Pferd möglichst wurmfrei sein, andererseits belasten die Wurmkuren die Darmflora oft stark. Dazu kommt, dass regelmäßige Wurmkuren die Resistenz der Parasiten fördert. Viele Tierärzte entwurmen deshalb erst nach einer Kotuntersuchung. Hier wird nur noch entwurmt, wenn ein bekämpfenswerter Befall diagnostiziert wurde. Nähere Informationen bietet die Homepage von Marstall (www.marstall.de), die dieses Verfahren unterstützen.
Die bessere Alternative zur Wurmkur
Daneben bieten aber auch Wurm treibende Kräutermischungen gute Erfolge. Anbieter hierfür sind z.B. cdVet oder Per Naturam. Die Empfehlung lautet, zwei oder drei Behandlungen auf Kräuterbasis jährlich durchzuführen und im Herbst nach der Weidesaison eine chemische Wurmkur durch den Tierarzt. Dann sind auch Magendasseln erfasst. Ein Verfahren, das übrigens auch preislich attraktiv ist. Um hier nicht mit dem Arzneimittelgesetz in Konflikt zu geraten, werden diese Präparate als Ergänzungsfuttermittel mit appetitanregender Wirkung angeboten.
Mash nach Wurkur
Nach jeder Wurmkur bietet sich Mash an. Es enthält viele Schleimstoffe und fördert die Ausscheidung und Entleerung des Darms. Die Schleimstoffe kleiden den Darm aus, so können die Verletzungen nach dem Abgang der Würmer schneller heilen. Alternativ kann auch Flohsamen zum Einsatz kommen.
So kommt die Darmflora wieder ins Lot
Besonders bei Futterumstellungen (z.B. Beginn oder Ende der Weidesaison) oder der Verabreichung von Medikamenten (Antibiotika, Schmerzmittel, Entzündungsemmer, Cortison) braucht der Darm Unterstützung. Oft hilft Bierhefe oder eine spezielle Lebendhefe. Die Hefe dient den Darmbakterien als Nahrung und fördert die Bildung positiver Keime. Daneben binden die Zellwände der Hefe Abfallstoffe, die bei der Verdauung anfallen und fördern so die Entgiftung.
Manche Medikamente wie z.B. Cortisonpräparate können Toxine im Körper freisetzen. Bentonit-Mehle wie Fenamin (Süd Chemie) oder VulcanoVet (cdVet) sind oberflächenaktive Tonminerale. Sie binden die Schadstoffe und schützen die Darmflora.
Ähnlich wirken Effekive Mikroorganismen (EM) oder Fermentgetreide. Auch sie fördern die Darmbakterien und sorgen für ein stabiles Gleichgewicht der Bakterienkulturen. Unerwünschte Keime können sich durch ein stabiles Millieu nicht ausbreiten. Dadurch verbessert sich die Verdauung, vor allem die Verwertung der Rohfaser steigt.
Ein mehrstufiges System für eine natürliche, rein pflanzliche Darmsanierung bietet z.B. cdVet. Hier wird mit dem Produkt DarmRein für einen Zeitraum von drei Wochen der Darm von Ablagerungen und unerwünschten Keimen gereinigt. Die Bauchspeicheldrüse wird angeregt und durch vermehrte Enzymausschüttung die Verdauung im Dünndarm verbessert. Zur Verbesserung der Darmflora wird in der Folge über einen Zeitraum von 6 - 8 Wochen DarmAktiv gefüttert.
In der Folge wird das Lymphsystem wieder leistungsfähiger. Diese Fähigkeit macht man sich bei weitergehenden Problemen/Verschlackungen zu Nutze. Begleitend kann hier noch ein entgiftendes Präparat wie z.B. EkzemEx oder ReheEx verabreicht werden. Hierzu ist aber eine umfassende Beratung durch einen Tierheilpraktiker oder den qualifizierten Fachhandel unablässig.
Zusammenfassung:
Ein gesunder Darm braucht gutes Futter: Hochwertige Rohfaser aus bestem Heu und Gras und eine angepasste, maßvolle Kraftfutterration. Futterumstellungen sollen über mehrere Tage erfolgen. Bierhefe, Fermentgetreide oder Effektive Mikroorganismen und ein- bis zweimal Mash in der Woche unterstützen die Darmfunktion. Ein- oder zweimal im Jahr fördert eine Darmkur die Verdauungsleistung und die Darmgesundheit für ein langes Pferdeleben.