KLAUS WILLs Pferdefutter-Kolume: Mangelware Heu - so bringen Sie ihr Pferd gut durch den Winter
Schon das zweite Jahr in Folge ist die Heuernte unterdurchschnittlich ausgefallen. Zum Einen fehlt es deutlich an Masse, zum Anderen an der Qualität des Raufutters. Die eingefahrene Erntemenge des Pferdeheus ist witterungsbedingt geringer als im Mittel der Jahre. Im Frühjahr war es zu warm und viel zu trocken, die meisten Gräser bildeten deshalb nur wenige Haupttriebe und zu wenige Seitentriebe. Der Fachmann spricht von einer schlechten Bestockung. Die Bauernregel dazu lautet:
Kühler Mai bringt Gras und Heu!
Als dann im Juni und Juli die Heuernte für das Pferdeheu beginnen sollte, waren die meisten Bestände bereits überreif. Für Pferde wünscht man einen Schnittzeitpunkt der vom Ende der Gräserblüte bis zur Samenausbildung reicht. Der war nun bereits überschritten, die Gräser haben sich nicht nach dem Kalender sondern nach dem Klima gerichtet. Und dann schlug das Wetter um, es folgte ein unbeständiger und nasser Sommer. Die überfällige Ernte verzögerte sich mancherorts bis in den August.
Zu diesem Zeitpunkt waren die Gräser und Kräuter überständig. Viele Samen fielen aus und die Stängel starben von unten nach oben ab und sie verholzten und verrotteten. So nimmt einerseits die Verdaulichkeit des Futters dramatisch ab, gleichzeitig steigt der Keimgehalt exponentiell. Wenn dann zusätzlich während der Heuernte noch ein oder zwei Regenschauer, oder manchmal auch länger anhaltender Regen auf das Erntegut fällt, kommt nicht mehr viel Gutes im Stall an.
Heu selber prüfen
Um die Wertigkeit des eigenen Heus besser beurteilen zu können, reicht oft eine Sinnenprüfung - also sehen, riechen und fühlen - nach dem Schlüssel der Deutschen Landwirtschafts-Gesellschaft (DLG). Gutes Heu soll eine hell- bis dunkelgrüne Farbe aufweisen, aromatisch riechen und nennenswerte Blattanteile und Samenstände haben. Auf der Homepage der DLG (www.dlg.org) ist über die Suchfunktion unter den Stichpunkten „Sinnenprüfung" oder „Grobfutterbewertung" Tabellenmaterial zur genaueren Beurteilung vorhanden.
Futtermittelanalyse
Wenn es noch genauer gehen soll, dann empfiehlt sich eine Futtermittelanalyse. Hier können neben den Inhaltsstoffen wie Energie- oder Eiweißgehalt durch die sog. „Wehnder-Analyse" auch die Belastung durch Keime bestimmt werden (Mikrobiologische Untersuchung). Zuständig ist hierfür z. B. die Bioanalytik in Weihenstephan (http://wzw-bioanalytik.de). Noch ein Tipp: Verschicken Sie keine Probe hinter dem Rücken den Stallbetreibers, sondern informieren Sie ihn über Ihr Vorhaben und versuchen Sie gemeinsam für diese schwierige Situation eine Lösung zu finden.
Was aber tun, wenn gutes Heu nicht zu erschwinglichen Preisen erhältlich ist?
Eine Möglichkeit könnte ein gutes Grumet, also Heu vom zweiten Schnitt sein. Wenn man dem Grasbestand Zeit zum Reifen lässt und er Rispen und Ähren ausbilden kann, ist der Rohfasergehalt ausreichend hoch für Pferde. Ein etwas höherer Eiweißgehalt ist ein wesentlich kleineres Problem als zu hohe Keimgehalte. Für Robustpferde wie Isländer, Shetties, Tinker, Haflinger etc. kann auch an ein gutes Futterstroh gedacht werden. Die Strohernte war dieses Jahr nicht so problematisch wie 2010. Der Strohanteil sollte jedoch 30 - 40 % der Grundfutterration nicht überschreiten, sonst drohen Anschoppungskoliken.
Silage ist eine weitere Option
Silage wird grundsätzlich wie Heu geschnitten. Allerdings wird das Grüngut nicht vollständig heruntergetrochnet, sondern halbtrocken zu Ballen gepresst und luftdicht unter Folie verpackt. So kann eine Milchsäuregärung entstehen und das Erntegut konservieren. Silage für Pferde soll aus älterem Gras bestehen. Es ist deshalb schlecht zu verdichten und siliert schwerer als junges Gras. Deshalb sollte ein Silierhilfsmittel, wie z.B. effektive Mikroorganismen zugesetzt werden und mit vier oder noch besser sechs Lagen Wickelfolie eingepackt werden.
Hervorragende Silagequalitäten bieten die Hersteller von „Boxgrass", „Horse Hage" oder „Swiss Horse Heulage", um einige Anbieter zu nennen. Sie haben Kleinballen mit 20 - 30 kg im Angebot. Hiermit können einzelne Pferde oder Kleingruppen gut und sicher gefüttert werden. Bei Großballen besteht die Gefahr einer Nachgärung, wenn der Ballen nicht innerhalb zwei bis vier Tagen (je nach Wetterlage) verbraucht werden kann. Silage hat - je nach Wetter - ein bis zwei Tage Trockenzeit auf dem Boden. Deshalb ist Silage witterungsunabhängiger als Heu, das drei bis vier Tage Trockendauer benötigt. Allerdings verträgt nicht jedes Pferd Silage. Manche Pferde reagieren darauf mit Verdauungsstörungen wie Durchfall oder Aufgasungen. Hochallergischen Pferden macht oft der höhere Histamingehalt zu schaffen. Er entsteht während der Gärphase aus dem natürlich in Gras vorkommenden Histidin.
Nicht zu vergessen ist die Botulismusgefahr, die von Silage ausgehen kann. Wird z. B. ein Stück Aas, das mit Kadaverbakterien belastet ist mitsiliert, kann unter Luftabschluss das hochgiftige Botulinum-Neurotoxin entstehen. Frisst ein Pferd diese giftige Silage, endet es oft tödlich oder führt zu sehr langen Genesungszeiten.
Alternative Cobs
Die Fütterung von Cobs ist eine weitere gute Möglichkeit, um die Fütterung aufzuwerten. Zur Gewinnung von Cobs wird Gras gemäht und sofort in eine Trocknungsanlage transportiert. Dort wird es gehäckselt und in einer großen Trommel mit Warmluft getrocknet.
Anschließend wird das Trockengut zu Cobs gepresst. Der Durchmesser der Cobs variiert von 12 - 18 mm. Für Pferde geeignete Cobs werden wie Pferdeheu von Ende Mai bis Anfang Juli hergestellt.
Nicht geeignet sind Cobs für Rinder, die aus jungem Gras hergestellt werden und einen hohen Eiweißgehalt haben. Ebenso wenig sind Grünmehlprodukte für Pferde geeignet. Deshalb ist es wichtig zu fragen, wie die Cobs produziert und wann sie geerntet wurden. Sicherheit bieten hier die Markencobs aus Bayern wie „Pre Alpin", „Marstall" oder Ware von „St. Hippolyt."
Cobs können weitgehend witterungsunabhängig produziert werden. Sie besitzen einen extrem niedrigen
Keimgehalt. Deshalb sind Cobs auch für allergische Pferde besonders geeignet. Nachdem bei Cobs keine maschinelle Bearbeitung auf der Wiese erfolgt, bleiben die feinen Blätter und Gräsersamen erhalten. Deshalb zeichnen sich Cobs durch eine hohe Verdaulichkeit und Nährstoffdichte aus. Im Gegensatz zu (gutem) Heu enthalten Cobs rund 50 % mehr Kalorien. Das hilft oft Kraftfutter sparen.
Auch wenn Cobs im Kraftfuttertrog gefüttert werden, sie zählen zum Raufutter wie Heu, Stroh oder Gras. Sie können das Grundfutter ergänzen bzw. aufwerten, oder aber komplett ersetzen. Bei einem Warmblutpferd ist eine positive Wirkung ab 1,5 -2 kg Cobs täglich feststellbar. Je schlechter das Heu im Stall ist, umso höher sollte der Einsatz von Cobs in der Ration sein. Ihr Pferd wird es Ihnen danken.