KLAUS WILLs Pferdefutter-Kolume: Melasse – ein besonderer Saft

Die oft in Pferdefutter verwendete Melasse ist besser als ihr Ruf, trotzdem muss sie kritisch betrachtet werden.

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Pferdefutterspezialist: Klaus Will vom Landmarkt Gilching

Melasse wird in der Futtermittelherstellung häufig verwendet. Sie gibt den gepressten Pellets (Pferdekorn) ihren Halt oder bindet Staub in Pferdemüsli. Dazu liefert sie konzentrierte, schnell verfügbare Energie und erhöht damit die Nährstoffdichte im Futter. Futtermittelhersteller schätzen an Melasse die Verbesserung der geschmacklichen Akzeptanz eines Futters. Nur wenn ein Futter auch von den Tieren gern gefressen wird, kann es wirtschaftlich erfolgreich vermarktet werden.
Viele Pferdebesitzer betrachten Melasse im Futter skeptisch. Zucker im Futter ist schlecht für die Zähne und die Melasse kann Pferde austricksen und zum Fressen von minderwertigem Futter verleiten, so die Befürchtungen. Da ist ein Stück Wahrheit darin enthalten. Doch dazu muss man wissen, was Melasse tatsächlich enthält und bewirkt.
Melasse wird in Europa überwiegend aus Zuckerrüben gewonnen. In Südamerika ist das Zuckerrohr der Lieferant für diesen Stoff. Für die Zuckergewinnung werden Zuckerrüben gewaschen, klein geschnitten und gekocht. Der dabei entstehende Saft wird immer weiter eingedickt. Eine braune, klebrige, zähe Masse entsteht - die Melasse. Sie enthält konzentriert fast alle Nährstoffe, die vorher in der Zuckerrübe enthalten waren. In weiteren Verarbeitungsschritten wird daraus Kristallzucker gewonnen.

Saccharose und sekundäre Pflanzenstoffe

Den größten Teil der Melasse macht Zucker aus. Hauptsächlich in Form von Saccharose, aber auch der Dreifachzucker Raffinose kommt darin vor. Daneben enthält Melasse aber auch viele sekundäre Pflanzenstoffe. Die Bedeutung und Wirksamkeit dieser Stoffe wurde lange nicht erkannt. Inzwischen werden sekundäre Pflanzenstoffe auch als semi-essentielle Nährstoffe bezeichnet. Sie unterstützen die Wirkung der essentiellen, also der lebensnotwendigen Nährstoffe und haben vielfache Einflüsse auf die Gesundheit.
Sekundäre Pflanzenstoffe werden inzwischen mit folgenden Wirkungen in Verbindung gebracht: Förderung der Verdauung, Unterstützung des Immunsystems, Verbesserung des Blutfließverhaltens und die Verlangsamung des Alterungsprozesses durch antioxidative Wirkung sowie eine Hemmung der Tumorzellenbildung. Die Naturheilkunde bezeichnet diese Stoffe deshalb auch als Phytamine.

Dazu hat Melasse einen natürlich hohen Chromgehalt.

Aus der Schweinemast ist bekannt, dass bei einer guten Chromversorgung der Tiere, mehr Muskel- und weniger Fettzellen gebildet werden. Zu beachten ist auch der hohe Kaliumgehalt, einem Elektrolyt in der Melasse. Zwei Aspekte, die besonders bei Pferden im Sport nicht zu vernachlässigen sind. Alles zusammengefasst, gibt es gute Gründe, die für einen maßvollen Melasseanteil in Pferdefutter sprechen.

Die Geschichte der Melassefütterung...

...begann vor über 100 Jahren. Für das Militär, hier besonders die Kavallerie und die Artillerie, wurde ein konzentriertes Futter entwickelt der Reformhafer. Gequetschter Hafer wurde mit Melasse versetzt, damit Pferde im schweren Kriegseinsatz  mit ausreichend Energie versorgt werden konnten. So konnten auch stark gestresste Tiere zum Fressen animiert werden, die sonst wegen Futterverweigerung noch schneller Körpermasse abgebaut hätten.
Seit dieser Zeit wird Melasse in Pferdefutter verwendet. Besonders stark zugenommen hat der Einsatz des Zuckersirups mit dem Aufkommen der Pferdemüslis vor ca. 30 Jahren. Um den Mehlstaub in dem gewalzten Müsli zu binden, wurde in den ersten Jahren reichlich Melasse zugesetzt. Mit allen negativen Folgen: Zucker und Feuchtigkeit aus der Melasse schufen auf den Getreideflocken ein ideales Nährmedium für alle Arten von Keimen. Die schützende Kornhülle wurde ja vorher durch das Walzen aufgebrochen und die Oberfläche stark vergrößert.
Besonders im Sommer bei feucht-warmer Witterung verkeimte die erste Müsli-Generation trotz Stabilisierungsversuchen mit Konservierungsmitteln enorm schnell. Karies-Erkrankungen bei Pferden nahmen zu und wurden mit dem hohen Melasseanteil im Müsli in Verbindung gebracht. Die Futtermittelhersteller lernten und haben ihre Hausaufgaben gemacht.
Inzwischen werden die Getreideflocken stärker getrocknet und der Melasseeinsatz findet auf deutlich niedrigerem Niveau statt. Fast alle Hersteller begrenzen den Melasseanteil auf vertretbaren 2 - 5 % im Futter und ergänzen lieber mit Öl, wenn eine höhere Energiedichte erreicht werden soll. Die Melasse hat dann sogar (wie in der Marmelade) eine konservierende Wirkung. Mikrobiologen sprechen von einem günstigeren aw-Wert, das bedeutet, die Wasseraktivität und das frei verfügbare Wasser werden reduziert und die Haltbarkeit natürlich verbessert.