KLAUS WILLs Pferdefutter-Kolume: Wenn Bänder und Gelenke schmerzen
Bei einer Untersuchung der Bayerischen Landesanstalt für Tierhaltung (BLT) Grub wurde eine Versuchsgruppe von 172 Pferden über zwei Jahre beobachtet. In diesem Zeitraum traten folgende gesundheitliche Problemfälle auf: 84 Lahmheiten, 50 Atemwegserkrankungen, 33 Verdauungsprobleme und 31 Verletzungen oder andere Beeinträchtigungen.
Daraus wird ersichtlich, dass der Bewegungsapparat des Pferdes der empfindlichste Bereich ist. Grund genug, sich Gedanken darüber zu machen, wie die Gesundheit des Pferdes möglichst langfristig unterstützt werden kann. Die Bewegungsfähigkeit des Pferdes hängt maßgeblich von einer guten Funktion des Bindegewebes, also von Bändern, Sehnen, Gelenken und der damit verbundenen Muskulatur ab.
Versorgung von Bändern, Sehnen und Gelenken
Dieses Bindegewebe wird nicht durchblutet - damit es elastisch und zugfest bleibt, muss es aber mit Nährstoffen versorgt werden. Dies geschieht durch Membrane über das anliegende Muskelgewebe. Das bedeutet, dass das Muskelgewebe gut durchblutet sein muss, damit Gelenke und Sehnen auch mit Nährstoffen versorgt werden können. Die logische Folgerung lautet: Pferde brauchen Bewegung, aber die richtige!
Ausreichende Anreitphasen mit mindestens zehn Minuten im Schritt gehören genau so dazu wie eine korrekte Reitweise. Mehrere Stunden Auslauf auf der Koppel oder ein Offenstall mit Bewegungsanreizen sind gute Voraussetzungen. Überholt sind die Zeiten, als man Pferde mit Sehnenproblemen einfach in der Box stehen ließ. Inzwischen empfehlen alle Tierärzte kleine Spaziergänge an der Hand, sobald das Krankheitsbild dieses zulässt.
Entspannung ist besser als Anspannung
Ein lockerer entspannter Muskel ist ca. 40 - 70 mal besser durchblutet als ein verspannter, verkrampfter Muskel. Deshalb sind Magnesium- und Vitamin E-Zulagen oft hilfreich, um steifen Pferden zu einem besseren Muskeltonus zu verhelfen. Nicht immer sind aber Stress oder hohe körperliche Anstrengung die Ursache für eine harte Muskulatur. Zu beachten ist auch ein ausgeglichener Säure-Basen-Haushalt.
Richtige Gebisswahl treffen
Helle Kleven, Physiotherapeutin für Pferde, berichtet, dass es immer wieder Pferde mit eingeschränkter Bewegungsfähigkeit im Rücken oder im Bereich der Beine gibt. Ursachen hierfür sind oft ein falsches Gebiss oder Haken auf den Zähnen. So bauen sich von der Kiefermuskulatur ausgehend bis zum Ende der Wirbelsäule Spannungen auf, die ein Reiten oft unmöglich machen. Eine genaue Ursachenforschung und Diagnose sind also wichtige Vorraussetzungen für eine sinnvolle Behandlung.
Pferde entsäuern mit Raufutter & Mineralien
Auch über die Fütterung lässt sich das Bindegewebe positiv beeinflussen. Um den Säure- Basen-Haushalt ins Lot zu bringen empfiehlt sich eine rohfaserreiche und stärkearme Ernährung. Also reichlich Heu und Gras vorlegen, Müsli und Getreide dagegen verhalten und bedarfsgerecht füttern. Muss ein Pferd dann tatsächlich wegen einer Arthrose oder eines Sehnenproblems stehen, soll die Kraftfutterration reduziert werden, die Spurenelementversorgung darf aber darüber nicht vernachlässigt werden. Vor allem die Elemente Kupfer, Mangan und Selen sind für das Bindegewebe wichtig. So ist z. B. bei Rindern festgestellt worden, dass ein Selenmangel häufig zur Arthrosebildung auch bei jungen Kühen führt.
Arthrose lindern oder vorbeugen mit natürlichen Präparaten
Dafür gibt es eine Reihe Kräuter und Nahrungsergänzungspräparate (Bindegewebekuren), die im akuten Fall Schmerzen und Entzündungsgeschehen positiv beeinflussen und die Regeneration unterstützen. So wird Ingwer als durchblutungsfördernd betrachtet, der Teufelskralle sagt man eine schmerzlindernde und entzündungshemmende Wirkung nach.
Algenpräparate entschlacken, beeinflussen Entzündungen positiv und fördern die Regeneration. Muschelpräparate oder synthetisch hergestellte Produkte wie MSN (Methylsulfonylmethan), Chondroitinsulfat oder Glucosaminsulfat liefern Nährstoffe, damit der Körper die Bindegewebestrukturen schneller erneuern kann. So kann die Regeneration von elastischem und zugfestem Bindegewebe unterstützt werden und vorzeitiger Verschleiß verlangsamt werden.
Effektive Möglichkeiten für äußerliche Anwendung
Äußerlich können im Bedarfsfall Pferdesalben, Angüsse (Retterspitz) oder auch ein längeres Angießen mit dem Wasserschlauch kühlen, die Durchblutung fördern und entzündliche Prozesse herunterfahren. Dazu gibt es hervorragende Bandagen oder Decken aus Textilien, die Keramikpartikel enthalten (Back on Track oder Ceratec).
Wichtig ist nach einem Bindegewebeproblem ein langsames und maßvolles Aufbautraining um Bänder, Sehnen und Gelenke auf die zunehmende Bewegung vorzubereiten. Auf keinen Fall darf der Satz: „Das läuft sich ein!" die Grundlage des Aufbautrainings sein.