Spagyrik - Veredelungsprozesse von Heilpflanzen
Ist die Alchemie ein Wissen um innerseelische und materielle Transmutationsprozesse, bezeichnet der Begriff Spagyrik eine Teildisziplin: Die Herstellung von Arzneimitteln nach den Gesetzen der Alchemie. Spagyrische Heilmittel enthalten Pflanzen, Minerale und Metalle, die ihrerseits Transmutationsprozessen unterzogen werden, wodurch ihre Heilkraft eine außerordentliche Steigerung erhält.
Die Zeit der Spagyriker
Paracelsus, Arzt und Alchemist im 15. Jahrhundert trug den Erfahrungsschatz der Alchemie schriftlich zusammen. Er wollte seinerzeit klar herausstellen, dass er sich mit der Herstellung von Heilmitteln befasste und taufte diesen Zweig der Alchemie „Spagyrik". Damit grenzte er sich auch gegenüber der „galenischen" Medizin (die Lehre von der Zubereitung und Herstellung von Arzneimitteln wie es heute geschieht) ab. Unter „ars spagyrica" verstand er die Kunst, Wertvolles von Unreinem zu erhöhter Wirkung zu erhalten. Viele spätere Meister griffen das alte Wissen auf und verfeinerten die darin beschriebenen Grundgedanken - trotzdem blieben die wesentlichen Elemente unverändert.
Zur Zeit der französischen Revolution und Aufklärung wurde es still um die Alchemie. Erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts begannen wieder einige Forscher mit der Herstellung dieser feinen Heilmittel. Vertreter dieser zeit sind Alexander von Bernus, Carl Friedrich Zimpel, Johann Gottlieb Rademacher, Johann Conrad Glückselig u.a.
Die Spagyrik ist...
... ein geschlossenes Heilsystem und orientiert sich an der Suche nach der tief liegenden Ursache von Krankheiten. Im Mittelpunkt der Spagyrik stehen die aus frischen Heilpflanzen gewonnenen spagyrischen Essenzen. Bei deren Herstellung findet eine Veredelung statt, welche das energetische Potential der Heilpflanze maximal zur reinsten Entfaltung bringt.
Jeder Pflanze, jedem Lebewesen, jedem Mineral und auch Metall und natürlich dem Menschen selbst, wohnt eine besondere Lebenskraft inne. Diese Kraft gilt es mit den Mitteln der Spagyrik freizusetzen. Durch das jeweilige Verfahren soll die Kraft sogar erhöht werden können, da sie aus der stofflichen Form befreit wurde.
Lösen und wieder Verbinden
Griechisch heißt lösen „spàein" und verbinden „àgeirein". Darum geht es bei der Herstellung von spagyrischen Essenzen. Dabei spiegeln die Herstellungsstufen die uralten Traditionen der Alchemie nach Paracelsus wieder: Gärung, Destillation, Veraschung des Destillationsrückstandes und Vermischen des Destillates mit den veraschten Pflanzenbestandteilen, die dann zum Schluss abgefiltert werden.
In dieser Herstellungsprozedur der Trennung (spàein) und wieder Zusammenführung (àgeirein) von gereinigten Pflanzenstoffen wird die Heilung als Transformation körperlicher, seelischer und geistiger Prozesse vorweggenommen: Körper Geist und Seele der Heilpflanze werden gewonnen, veredelt, potenziert zur spagyrischen Essenz.Laut Spagyrikern sind in der Lebenskraft drei unterschiedliche Prinzipien wirksam. Sal, das für das materialisierende, erdhafte Prinzip, Sulfur für das beseelende, feurige und Mercur für das Belebende und geistige steht. Beim Menschen sind das Körper, Geist und Seele. Erst wenn diese Komponenten im Gleichgewicht sind, ist der Mensch gesund.
Der Geist ist die Lebensenergie und Lebensform. (Mercur).
Die Seele ist der „innere", vom Geist geformte Stoff, der nicht chemisch-physikalisch messbar ist. Die Prägung der Seele äußert sich in der Individualität, dem Charakter, der Moral und der Ethik. (Sulfur)
Der Körper ist der chemisch-physikalisch messbare Stoff, der vom Geistig-Seelischen zur Signatur geprägt wird. (Sal)
Der „innere" Geist ist damit für die Seele und den „äußeren" Körper ursächlich.
„Wie innen, so außen - wie oben, so unten"! Der alchemistische Prozess ist der Lebenskreislauf. Dieser löst im Tod die Naturen auf und verbindet die Naturstoffe wieder zu dann „erhöhten" bzw. „alchemistisch potenzierten" Lebensformen (Wiedergeburt).
Das Dasein ist polar:
Das SOL-Prinzip, auch als Yang oder das Männliche bezeichnet, ist allgemein tätig und formend. Die Sonne, der Mann, das Gold und das Geistig-Seelische sind Sinnbilder dieses dominierenden Polprinzips!
Das LUNA-Prinzip, auch als Yin oder das Weibliche bezeichnet, ist allgemein duldig und empfangend. Der Mond, die Frau, das Silber und der Körper sind Sinnbilder dieses Prinzips!
Im Lebensrhythmus von Tag und Nacht, den Jahreszeiten und der Jahre verschmelzen Sol und Luna und trennen sich wieder, immerwährend. Dies formt beide Pole im Leben zur untrennbaren Einheit.
Der Alchemist folgt dem von der Natur aufgezeigten Wandlungsprozess, um den Naturstoff in seinem Laboratorium zu „veredeln". In diesem Rhythmus wird zum Beispiel in den Prozessen bei z.B. SOLUNA Heilmittel GmbH das SOL - das Geistig-Seelische mit dem LUNA - dem Körperlichen fortwährend getrennt (Spa) und verbunden (-gyrik). Damit werden die Heilmittel schrittweise veredelt (alchemistisch potenziert), und zu der vorbestimmten Vollkommenheit geführt.
Planeten als Sinnbild von Elemtarqualitäten
Fünf weitere Planeten im ptolemäischen Weltbild (die Welt ist hierbei Mittelpunkt des Sonnensystems) werden als unvollkommene Verkörperung von Sonne und Mond verstanden: Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn. Diese sieben Planeten versinnbildlichen in der Alchemie anerkannte Elementarqualitäten zur ganzheitlichen Beschreibung der Lebensformen.
Die Tabelle zeigt in der oberen waagrechten Zeile die Symbole der Elemtarqualitäten. Die darunter liegenden Zeilen sind bedeutende Entsprechungs- bzw. Analogieebenen der Alchemia medica: Ebene der Planeten, Metalle, Arzneipflanzen, Organe und Organsysteme. So drückt sich die Elementarqualität des Mondes z.B. im Planeten Mond aus, im Metall Silber, in der Arzneipflanze Tabak...
Nach der alchemo-medizinischen Philosophie sind alle 7 Planetenprinzipien des Universums auch im Menschen veranlagt. Das bedeutet der Mensch (Mikrokosmos) hat eine Entsprechung zum Universum (Makrokosmos). Paracelsus: „Wie das Universum, so der Mensch".
Nach diesem Konzept versteht sich auch die einfache Formel der alchemistischen Homöopathie nach Paracelsus: „Das Gestirn wird durch das Gestirn geheilt".
Hahnemann formulierte daraus später das Simileprinzip der Homöopathie: „Gleiches wird geheilt durch Gleiches".
Qalitätsunterschiede in den Rohstoffen
Bis hierher sind die Grundgedanken der Spagyrik in den einschlägigen Unternehmen (fast) vergleichbar. Deutliche Unterschiede sind schon im Zusammentragen der „Rohstoffe", in der Pflege der Pflanzenkulturen, in der Auslese der Materialien für die Heilmittel und besonders in der Art der Herstellung zu finden. - „Wie innen, so außen". -Nach diesem Grundsatz ist das Äußere einer Heilpflanze - ihre Form, Konsistenz, Farbe, Duft und Geschmack - Signatur ihrer „inneren" Wesensqualität.
Heute sind die Signaturen der handelsüblichen Heilpflanzen mangelhaft! So hat z.B. SOLUNA in den italienischen Alpen einen Garten angelegt, exklusiv für die Heilmittel und die Kosmetik wo etwa hundert verschiedene Heilpflanzen gedeihen. Bewässerung, Pflege und die spätere Ernte stehen absolut unter den Biorhythmischen Abläufen und entsprechen den alten alchemistischen Auflagen. Ausschließlich diese Pflanzen gelangen in die feinen Herstellungsverfahren.
Eine Naturarznei kann von der Natur aus nur so gut sein...
...wie es die Natur ihrer Rezepturbestandteile erlaubt: In kleinen überschaubaren Mengen, wiederum unter Beachtung der Naturkreisläufe, werden die gesammelten, getrockneten Pflanzen in den eigentlichen Signaturbildungsprozess eingeführt.
Auch hier gibt es wesentliche Unterschiede in der Vorgehensweise und den Zeitfenstern, aber auch in den Destillationsrhythmen und den Mazerationsprozessen.
Destillation und Mazeration, der Weg zum fertigen Arzneimittel, zeigt die wesentlichen weiteren Unterschiede der einzelnen Arzneimittel auf. Lösungsmittel, Veraschung, Planetentage , Schüttelrhythmen, Raumtemperatur und Raumauswahl spielen die unterschiedlichsten Rollen und geben den Fachleuten Anlass zu heftigsten Diskussionen.
In der Gegenwart werden Spagyrika im Wesentlichen als Fertigarzneimittel hergestellt.
Lesen Sie in der nächsten Ausgabe mehr über Spagyrik nach Alexander von Bernus (Laboratorium Soluna Heilmittel GmbH, Donauwörth).