Vom „Frauentrost“ der Berge

Eingeladen von der Allesheilerin unter den Frauenkräutern begeben wir uns auf einen Erinnerweg in die alten Geheimnisse um den Frauenmantel. Alchemilla vulgaris aus der Familie der Rosengewächse trägt im heimischen Volksmund ganz besondere Namen, wie „Frauentrost“, „Taubecherl“, „Weiberkittel“, „Liebfrauenmanterl“ und „Wasserträgerin“.

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Margret Obermaier und Sabine Labonte

Aus dem morgendlichen Tautropfen am Blattrand bereiteten die Alchemisten des Mittelalters den „Stein der Weisen", dies war ein wohl gehütetes Pflanzengeheimnis. Der Tau ist Lebenswasser und mit vielerlei Heil- und Schutzkräften bedacht.
„Des Menschen Seele gleicht dem Wasser: vom Himmel kommt es, zum Himmel steigt es, und wieder nieder zur Erde muss es, ewig wechselnd" so schreibt in seiner Bewunderung auch J.W. von Goethe. Auch Paracelsus (1439 bis 1541) war, wie so viele Alchemisten, um die Herstellung von Elixieren bemüht, die Krankheit in Gesundheit verwandeln und das Leben verlängern.
Unsere germanischen Ahnfrauen weihten den Frauenmantel der Göttin Freya, Göttin der Liebe und Fruchtbarkeit. Sie schätzten ihn als großes Heilmittel und glaubten fest daran, in ihm wohne die Hüterin des Häuslichen und Spenderin des Kindersegens. Sie sammelten die Alchemilla bei abnehmendem Mond, um Blutflüsse zu stillen und Wunden zu heilen.
Wie verstaubt und vergessen ist doch das alte Wissen um die pflanzlichen Begleiterinnen. So sitzt der „Frauentrost" doch an der Schnittstelle zwischen alten und neuen Frauenwissen, erlaubt uns unser Frau-
sein liebevoller zu betrachten. Die Zeit ist reif, behutsam den „Medizinschrank" von Mutter Erde zu öffnen, das alte Wissen vom Salbenrühren, vom Teekräutersammeln und vom Duft im Verräuchern zu entdecken.
Mit ihren wertvollen Inhaltsstoffen verbindet und hilft die Alchemilla auf sanfte Weise bei vielen Frauenbeschwerden. Sie ist Helferpflanze, von der Wiege bis zur Bahre. Für pubertierende Mädchen, Schwangere und Wechseljahresfrauen ist sie eine zuverlässige Pflanzenfreundin. Auf dem Weg der Weiblichkeit heilt sie alte Verletzungen, umhüllt uns liebevoll und hilft uns unsere Grenzen zu wahren.

Ein mittelalterliches Heilgeheimnis von Hl. Hildeg. von Bingen wirkt tief und kräftigend:

Eine Hand voll frisches Frauenmantelkraut mit einem Liter guten Rotwein übergießen unter Rühren erhitzen, zugedeckt am Feuer einige Minuten simmern lassen, etwas Honig beigeben und genießen.