Wölfe haben schon immer dazu gehört

Im Sommer des Jahres 1882 wurde er getötet - Bayerns letzter Wolf. Er wurde bei einer Treibjagd im Oberpfälzer Fichtelgebirge von dem Kulmainer Gastwirt Martin Wiesend erschossen. Seit 1907 erinnert an dieser Stelle eine Wolfsäule an diese Heldentat unserer Zivilisation. So erging es nach und nach allen Wölfen in den deutschen Regionen...

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Ein glückliches Wolfspaar, wie man deutlich sehen kann.

...der letzte Wolf Deutschlands wurde vermutlich 1904 in Sachen erschossen. Damit endete eine jahrtausende alte Koexistenz von Wolf und Mensch, die in Urzeiten ja eigentlich ganz gut funktioniert hat. Waren es doch die Wolfsrudel, die die Nähe zu menschlichen Lagern und Ansiedelungen suchten, um den ein oder anderen Brocken von deren Abfällen zu ergattern. Die besonders anpassungsfähigen und „mutigen" unter ihnen wurden irgendwann zu den Urahnen unserer Haushunde, die den Menschen damals schon bei der Jagd geholfen haben. Unbestritten eine Erfolgsstory der Evolution, die wir eigentlich dem Wolf zu verdanken haben.
So verwundert es auch nicht, dass in den der Mythologie vergangener Kulturen der Wolf immer eine bedeutende und herausragende Rolle spielte. Als Beispiele hierfür können stellvertretend der Kelten Herrscher Cormac und der germanische Göttervater Odin genannt werden. Beide schätzten die heroischen Eigenschaften des Wolfes - nämlich Tapferkeit, Mut und Ausdauer. Selbst der Gründungsmythos von Rom geht auf eine Wölfin zurück, die die Brüder Romulus und Remus säugte und so die Gründung Roms erst ermöglichte. Vielleicht ist es auch auf diesen Mythos zurück zuführen, dass auch heute vor den Toren des neuzeitlichen Roms mehrere Wolfsrudel leben können, ohne dass die Existenz des italienischen Staates dadurch bedroht wäre. Ein schönes aktuelles Beispiel für die Machbarkeit der Koexistenz von Wolf und Mensch.
Geschichtlich betrachtet hatte der Wolf also gar kein so schlechtes Image bei den Menschen. Wie aber hat sich das geändert, warum steht der Wolf heute für soviele Menschen als Sinnbild des Bösen und der Bedrohung?  Um diese Frage zu beantworten müssen wir einen Blick zurück werfen in eine Zeit, die ganz generell nicht zu den strahlenden Epochen der Menschheit gehört. Das Mittelalter steht für viele Beispiele der menschlichen Verblendung und für viele Irrtümer des Glaubens, die nicht nur Tieren sondern auch vielen unschuldigen Menschen das Leben gekostet haben.
Zunächst waren es ganz normale natürliche Phänomene, die sich negativ auf das Image der Wölfe auswirkten. Mehrere aufeinanderfolgende extreme Winter und eine starke Ausbreitung der Tollwut im Hochmittelalter führten zu einer Belastung des Verhältnisses zwischen Wolf und Mensch. Kriege, extreme wirtschaftliche Notlagen, politische Willkür und unsägliche Not suchten nach einer einfachen Erklärung. Spätestens mit der Inquisition im 15. Jahrhundert konnte diese geliefert werden. Die heilige Inqusition war es, die den (Wer)Wolf als Gehilfen des Teufels amtlich machte. Er wurde damit zum Inbegriff des Bösen erklärt - was bis heute u.a. auch in Märchen und im Verhalten von manchen Politikern nachwirkt. Was dies für den Wolf bedeutete wissen wir!
Aber was können wir heute tun, um unser Verhältnis zu diesen einzigartigen Tieren wieder ins Lot zu bringen?  
Am Anfang steht die Information!
Modernes Wolfsmanagement, wie es in Sachen an der Lausitz bereits seit mehreren Jahren erfolgreich praktiziert wird, setzt vor allem auf Aufklärung. Vorort in Informationszentren, auf Veranstaltungen und vor allem auch in Schulen. Aufklärungsarbeit ist auch Bewusst(werden)sarbeit. Wir müssen begreifen, dass auf unserer Erde alles mit allem verbunden ist und voneinander abhängt. Das gilt auch für den Wolf. Nicht nur er hängt in seinem Überleben von uns ab - langfristig gesehen, oder vielleicht auch schneller als wir es heute wahr haben wollen - hängt auch unser Überleben davon ab, wie wir mit unserer Natur und allen unseren Mitgeschöpfen umgehen. Sprechen wir einem dieser Mitgeschöpfe die Existenzberechtigung ab, so wird sich diese Haltung langfristig auch gegen uns selbst wenden. Die Natur selbst wird ihre Entscheidungen treffen und wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass wir zwar eine intakte Natur zum überleben brauchen, nicht aber umgekehrt.
Deshalb sollten wir die Tatsache, dass sich ein Wolfsrüde - wahrscheinlich aus dem Trentino - zu uns nach Oberbayern in die Region um Bayrischzell aufgemacht hat, um ein neues Revier zu suchen, als Chance begreifen. Eine Chance, die uns die Natur gibt, nicht nur die Fehler der Vergangenheit im Umgang mit Wölfen zu korrigieren, sondern eine Chance dafür unseren Umgang mit der Natur und unseren Mitgeschöpfen ganz grundsätzlich zu überprüfen.
Lassen Sie uns dem Wolf in unserer Nähe eine Chance geben, informieren Sie sich, sprechen Sie mit Freunden und Bekannten und auch mit den verantwortlichen Politikern.